Segeln in den Whitsundays

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Hier kommt unser Ostküsten-Trip-Beitrag Teil 4!

Unseren nächsten Stop haben wir nach dem ersten längeren Straßenabschnitt des Urlaubs in Airlie Beach gemacht, von wo aus wir zu einem dreitägigen Segeltörn in die Whitsunday Islands gestartet sind.

Angekommen in Airlie Beach waren wir zunächst von der Fülle und der touristischen Erschlossenheit überrascht, was nirgendwo weiter nördlich so war. Airlie Beach errinnert sehr an einen „echten“ Touri-Ort, wie z.B. St.-Peter-Ording oder Timmendorfer Strand. Auf einer langen zentralen Einkaufsstraße mit vielen Restaurants (auch alle Fast-Food-Sorten sind vertreten), Tourbüros und ziemlich vielen Studenten und anderen Besuchern spielt sich hier fast alles ab. Direkt am Wasser gibt es wie in Cairns eine sehr schöne (künstliche) Lagune, wo wir zweimal Pizza gegessen und auch gebadet haben.

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Wir an der Lagune

Wir sind am 29.11. nachmittags angekommen und haben uns auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht, was sich zum ersten mal als relativ kompliziert herausgestellt hat: Alle Backpacker waren schon ausgebucht, so dass wir wieder auf ein Motel etwas weiter außerhalb ausgewichen sind. Dies war aber trotzdem nett, denn so konnten wir in Ruhe unsere Taschen packen und noch einmal ordentlich duschen, was ja erwartungsgemäß auf dem Boot etwas schwierig werden könnte.

Am Abend haben wir uns 3 Pizzen bei „Dominos“ gekauft und uns gemütlich an die Lagune gesetzt. Danach folgte eine kleine Premiere: Das erste Mondschein-Bier des Urlaubs!

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Mondschein-Bier

Am nächsten Morgen konnten wir noch ein wenig ausschlafen (was sich in nächsten zwei Tagen ändern sollte), da unser Törn erst um 14:00 Uhr losging. Als wir vormittags noch unterwegs waren hat es plötzlich angefangen wie aus Eimern zu regnen, wobei diese Bezeichnung eigentlich noch „zu weich“ ist. Auf der Straße stand das Wasser zentimeterhoch. Ich bin noch schnell zum Auto-holen berufen worden und habe daher nur relativ wenig Regen abbekommen. Anja und Klaus haben sich untergestellt und gewartet, bis der Regen nach 15 Minuten (!) etwas nachgelassen hat, sonst wären sie selbst von den wenigen Metern zum Auto (habe bei den beiden am Straßenrand geparkt) klatschnaß geworden.

Zum Glück war gegen 12:00 Uhr wieder blauer Himmel (sub-tropische Wetterverhältnisse halt) und wir haben uns langsam zu unserem Treffpunkt in der Abel-Point Marina aufgemacht wo wir Sammy, unseren Decksmann und Mädchen für alles an Bord, getroffen und bei ihm eingecheckt haben. Durch den Regen und die darauffolgende Sonne war das gefühlte Wetter wieder sehr schwühl geworden. Um kurz vor zwei sind wir mit der gesamten Truppe (insgesamt 12 Gäste) an Bord gegangen.

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Abel Point Marina bei Schlechtwetter

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Andy – unser Skipper

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Sammy – unser Decksmann

Die „Silent Night“ ist ein 50 Fuß Segelboot, welches vor ca. 20 Jahren von Ben Lexcen (hat auch den Amerikas‘-Cup’er für Australien konstruiert, als sie zum ersten Mal Amerika den Pokal abgenommen haben) als Race-/Cruise-Yacht konstruiert wurde. Interessant ist, dass die Silent Night das erste Boot mit Flügelkiel war und sie dadurch ein sehr erfolgreiches Boot war. Erst vor wenigen Jahren ist das Boot verkauft und „in Rente“ gegangen und fährt jetzt Touristen wie uns durch die Whitsundays. Wie beim Segeln üblich, darf man sich nicht von dem Alter des Bootes abschrecken lassen – (fast) alles war tipp-topp in Schuss und gepflegt.

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Die „Silent Night“

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Unser Boot

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Blick in unsere Kabine

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Blick aus unserer Kabine

Nach einer kurzen Sicherheitseinführung haben wir gleich abgelegt und ca. 10 Minuten außerhalb der Marina die Segel gesetzt. An diesem ersten Seetag ist eigentlich nicht mehr so viel passiert und wir haben am späten Nachmittag den Nara Inlet von Hook Island angesteuert und in der Bucht geankert. Mein Gefühl, dass wir noch nicht die beste Ankerposition erreicht und auch nur relativ wenig Kette draußen haben, sollte sich später noch bestätigen.

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Segelromantik

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Jan am Genaufall

Sammy hat bereits unterwegs angefangen zu kochen, bessergesagt zu backen. Zuerst gab es nämlich überbackende Nachos mit Sweet-Chili-Sauce und Käse. Ca. eine Stunde später gab es Kartoffeln, Bohnen und Hünchen bei einem herrlichen Sonnenuntergang. Später am Abend gab es natürlich noch den einen oder anderen „Sundowner“ und interessante Geschichten von Andy, unserem Skipper. Auch konnten wir am gesamten südlichen Himmel sehr starke Wetterleuchten beobachten, welche selbst Andy noch nicht in dieser Intensität gesehen hat. Gegen 23:00 Uhr sind wir dann bei spiegelglatter See und 23°C in unsere Kojen gegangen (wir hatten die Steuerbord-Achterkajüte mit 3 Kojen für uns allein). Bei leichtem und bekanntem Schaukeln sind wir schnell eingeschlafen.

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Nochmal Segelromantik

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Vorspeise

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Sonnenuntergang in der Ankerbucht

Es muss gegen 01:00 oder 02:00 Uhr gewesen sein, als wir aufgewacht sind. Ein ohrenbeteubender Lärm füllte die plötzlich kälter gewordene Luft und unser Boot rollte stark mit Schräklagen von ca. 30° in den Wellen. Das muss ein Sturm sein! Orkanartige Böen pfiffen am Mast und sorgten für Unruhe. Sofort war unser Skipper, bestimmt noch angetrunken vom Vorabend aber trotzdem voll konzentriert, zur Stelle und gab verschiedene Befehle an Sammy. Ohne Vorwarnung hat es mit unglaublicher Wucht angefangen zu regnen und wir hatten Probleme unsere Luke in unserer Kabine schnell zu schliessen, da der Mechanismus irgendwie klemmte. Zur Belohnung hatte ich für die restliche Nacht eine nasse Koje. Andy und Sammy haben sich schnell ihre Regenklamotten angezogen und sind auf’s Oberdeck gegangen um das Boot, soweit es möglich war, zu sichern. Zwischenzeitlich war auch ein Gewitter relativ nah und lautstark im Gange. Der Wind muss um 180° gedreht haben, denn Wind und Wellen fegten jetzt direkt in die Bucht hinein. Dieser Zustand sollte sich noch ungefähr 20 Minuten halten, bis es dann wieder etwas ruhiger wurde. Interessant ist, dass einige Gäste gänzlich bleich im Gesicht mit Blick zur Ausstiegsluke verweilten, während andere immer noch seelenruhig schliefen und das Schauspiel offenbar einfach verpassten. Nach ca. einer Stunde sind auch wir dann wieder eingeschlafen.

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Auch am naechsten Tag hat es kurz geregnet…

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…mit einem Regenbogen direkt neben uns
(man konnte uebrigens den ganzen Bogen mit beiden Enden sehen!)

Am nächsten Morgen waren wir sehr früh wach, aber komischerweise wurde fast gar nicht über das Erlebnis von letzter Nacht gesprochen. Das Boot hat keine Schäden davon getragen, allerdings sind wir bestimmt 500m von unserer ursprünglichen Ankerstelle vertrieben. Andy hat sich gleich für einen Aufbruch entschieden und Frühstück gab es unterwegs (diesmal mit Maschine, ohne Segel) auf dem Weg nach Dunbell Island, wo wir gegen 09:00 Uhr angekommen sind und an einem Haken in der Bucht festgemacht haben. Nebenbei haben wir erfahren, dass Andy so einen Sturm wie letzte Nacht noch nicht erlebt und sein Handy zudem auch noch verloren hat… Von der neuen Ankerstelle vor Dunbell Island sind wir zum schnorcheln von Bord gegangen. Klaus hat sich entschieden es auszuprobieren, während wir mit Sammy und dem Schlauchboot, welches wir die ganze Zeit hinter uns her gezogen haben, über das Riff gefahren sind. Auch von dort hatten wir einen prima Blick auf die Korallen und unzählige Fische in schrillen Farben.

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Fruehstueck um 06:30 Uhr (!)

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Alles ist noch ruhig

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Segeln

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Auch Klaus war in Action

Gegen Mittag haben wir wieder die Segel gesetzt und uns auf den Weg zu einem Höhepunkt gemacht: Dem Whitehaven Beach auf Whitsunday Island, der größten und namensgebenden Insel der „Whitsundays“. In der Tongue Bay (Hill Inlet) haben wir wieder geankert und Sammy hat uns in 2 Etapen per Schlauchboot zur Insel gebracht, die wir auf eigene Faust erkundet haben. Nach einem 10-minütigen Waldmarsch sind wir zu einem Lookout-Point gekommen und hatten folgendes Bild vor uns:

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Whitehaven Beach

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Whitehaven Beach Inlet

Leider waren neben uns auch noch 50 andere Touristen da. Deshalb haben wir uns auf den Weg zum Strand gemacht. Nach weiteren 10 Minuten Fußmarsch sind wir unten angekommen und haben den hellsten Sand der Welt am Whitehaven Beach hautnah bestaunt. Der Sand besteht zu 99% aus Silizium und ist daher so weiß. Man kann es eigentlich gar nicht in Worte fassen, es war einfach paradiesisch.

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Am Eingang zum Strand

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Am Strand

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Wir am Whitehaven Beach

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Ausblick

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„Whitsundays“

Nachmittags sind wir wieder losgesegelt und der Himmel hat sich sehr schnell wieder dunkel zugezogen. Per Funk kam eine Sturmwarnung und unser Skipper hat sich darufhin entschieden eine Marina anzulaufen, denn sowas wollte er diese Nacht wohl nicht noch einmal erleben. So haben wir nach ca. 3 Stunden segeln den Hamilton Island Marina Resort erreicht. Hamilton Island errinnert stark an eine Insel der Reichen. Es gibt dort nur Elektro-Golf-Scooter, die Leute sind alle abgehoben und im Hafen liegen die 100 Fuß Luxusyachten.

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Einfahrt zur Hamilton Island Marina

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Unser Nachbar

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Unser Boot bei Nacht

Nach dem Abendessen (als Vorspeise Cracker mit Käse und Dip, als Hauptspeise Lasagne) sind wir dann an Land duschen gegangen, was nach 2 Tagen Pause auch sehr „erfrischend“ war. Abends sind wir in australischer Seefahrer-Manier in den Hafen-Pub gegangen und haben mit unserem Skipper und Sammy was getrunken (der arme Typ muss wahrscheinlich an 6 von 7 Abenden in der Woche breit sein…). Um 23:00 Uhr sind wir wieder an Bord gegangen und Andy hat uns ein paar lustige Spiele gezeigt, während Sammy umgehend eingepennt ist.

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Geschichten bei Nacht
(Wer erkennt den Skipper?)

Am letzten Tag sind wir noch einmal zum schnorcheln nach Daydream Island in die Sunlover Bay gesegelt, während wir es uns auf dem Vordeck gemütlich gemacht haben. Klaus hat einen zweiten Schnorchelgang unternommen. Wie immer am letzten Tag ging es dann doch relativ schnell, dass wir wieder zurück in Airlie Beach in der Abel Point Marina waren und der Törn zuende ging. Nach einer netten Verabschiedung sind wir dann wieder in die Stadt gezogen und haben unsere Unterkunft für die Nacht im Magnums Backpacker gebucht.

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Einlaufen in die Marina

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Ohne Worte

Nachmittags haben wir dann an der Lagune gechillt und Anja und Klaus haben dort gebadet. An diesem Abend haben wir hier auch unsere 2. Pizza gegessen. Dann sind wir relativ früh zu Bett gegangen, um für eine lange Fahrt am nächsten Tag fit zu sein.

Fortsetzung folgt…

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